St. Peter und Paul in Niederzell (11. Jh.)

Am westlichen Ende der Insel im Ortsteil Niederzell liegt – idyllisch wenige Meter oberhalb des Bodenseeufers und mit Blick über den Gnadensee nach Allensbach - die ehemalige Stiftskirche St. Peter und Paul. Die heutige Pfarrkirche von Niederzell ist zusammen mit ihren Schwesterkirchen in Mittel- und Oberzell Teil des einzigartigen und UNESCO-geadelten klösterlichen Kulturraumes auf der Bodenseeinsel. Kulturhistorisch und auch touristisch steht die zweitürmige Basilika jedoch etwas im Schatten von St. Georg und dem Marienmünster. Ihre Randlage und die Abwesenheit von Touristenströmen verleihen der Kirche aber eine Atmosphäre von Ruhe und Besinnlichkeit.

Und vielleicht war dies auch ein Beweggrund, der den Benediktinerorden bewog, St. Peter und Paul 250 Jahre nach Vertreibung der letzten Benediktinermönche von der Insel als Zelle für die Wiederbelebung klösterlichen Lebens auf der Insel zu wählen:
Seit September 2001 leben wieder drei Benediktinermönche auf der Reichenau. Zunächst als Projekt für drei Jahre gedacht, wurde die Cella Sankt Benedikt am 13.Juni 2004 offiziell als abhängiges Haus der Erzabtei Sankt Martin zu Beuron errichtet.

Baugeschichte

Bereits im Jahr 799, nur wenige Jahrzehnte nach der Klostergründung durch Pirmin (724), stiftete Egino, ein alamannischer Adliger und Bischof von Verona, die erste St.-Peters-Kirche, in deren "Cella" er bis zu seinem Tod 802 lebte. Der Gründungsbau muss der Überlieferung nach reich mit Skulpturschmuck und Wandmalereien geschmückt gewesen sein.

Nach zwei Bränden wurde der Gründungsbau um 1080 abgebrochen, und auf den alten Fundamenten wurde unter Beibehaltung der ursprünglichen Maße die heutige dreischiffige Säulenbasilika erstellt. Charakteristisch für den Neubau des 11. Jahrhunderts ist die weithin sichtbare Ostturmfassade mit ihren beiden Türmen, die im 15.Jahrhundert aufgestockt wurden und ihre spitzen roten Hauben erhielten. Im Spätmittelalter fügte man noch eine Vorhalle im Westen an. 1750/60 wurde das Innere von St. Peter und Paul im Stil des Rokoko umgestaltet: die Fenster wurden vergrößert, die flache Holzdecke durch ein stuckiertes Rokokogewölbe ersetzt. Die Orgelempore im Westteil wurde eingezogen, die Orgel 1783 von dem aus Überlingen stammenden Orgelbaumeister Johann Baptist Lang (1783) erbaut.

Im Zuge einer umfassenden Restaurierung 1970-1977 versuchte man den romanischen Eindruck weitgehend wieder herzustellen.

Sehenswürdigkeiten



Viele Touristen beeindrucken wohl zunächst die Rokokodecken mit ihren neobarocken Gemälden oder das barocke Triumphkreuz.



Der wohl bedeutendste Schatz der Niederzeller Kirche sind jedoch die spätromanischen Wandmalereien (1104-1126) in der halbrunden Altarnische (Apsis):
Sie zeigen Christus als endzeitlichen Herrscher, umgeben von den Symbolen der vier Evangelisten und flankiert von den Heiligen Petrus und Paulus, den Patronen der Kirche, sowie von zwei geflügelten Cherubim; darunter zwei Zonen mit je (ehemals) 12 Aposteln und Propheten. Die Wandmalereien wurden erst 1900 bei Renovierungsarbeiten entdeckt.

Es sei angemerkt, dass der eigenwillige Stilmix der Pfarrkirche aus Romanik und Barock/Rokoko beim Betrachter durchaus einen etwas befremdlichen Eindruck hinterlassen kann, insbesondere wenn man vorher eine rein romanische Kirche wie St. Georg (Oberzell) und eine rein barocke Kirche wie Birnau besichtigt hat.

Kirchenführung von Mai bis September: jeden Freitag um 17 Uhr

Mehr über die Benediktiner auf Reichenau:
Cella St. Benedikt, Reichenau